Projekt Kindergarten



Der Frühling läßt die kreativen Kräfte wachsen, das konnte man bereits vor 2 Jahren beim Bau der Weidenburg beobachten. Und auch in diesem Jahr sind wieder Outdoor-Aktivitäten seitens des Jugendzentrums geplant. Unter der fachspezifischen Anleitung von Günter Preisch und in Zusammenarbeit mit dem Kindergarten Kaltenbach, Klassen des Bundesgymnasiums, einer Klasse der Hauptschule 1 und des YOUZ soll im Kindergarten ein naturnaher Spielraum im angrenzenden Waldstück entstehen. Die ersten Vorarbeiten sind bereits gemacht und seitdem wird kräftig gehämmert und genagelt, Sand transportiert, Bauhütten gebaut, und und und... Mitmachen kann natürlich jede/r, einfach im YOUZ melden! Außerdem führt Mathias akribisch genau Tagebuch, wo alle Ereignisse, Vorkommnisse und Neuigkeiten sofort festgehalten werden!!!





TAGEBUCH VON MATHIAS HOLZER

13. April, Tag 1

Nach zahlreichen informellen Zusammenkünften, Planungsgesprächen und Telefonaten war es nun so weit, besser gesagt allerhöchste Zeit, endlich handwerklich aktiv zu werden und unseren schöpferischen Kräften freien Lauf zu lassen.

Nach ersten Baggerarbeiten und Materialtransporten, die unter dem wachsamen Auge unserer "Baufrau" Barbara, und der Unterstützung unseres niemals ruhenden Poliers Günsch, erledigt worden waren, kam nun Freitag der 13. April, ein idealer Tag um ein derartiges Projekt zu starten. Ein Tag, an dem die ersten von Kraft und Tatendrang strotzenden Freiwilligen des Jugendzentrums auf das Baugelände kamen um sich in den Dienst der Kindergartenkinder zu stellen.

Als ich mich um neun Uhr vormittags mit dem Polier beim Kindergarten traf, war bereits eine Schar Kinder am werken, die schier unermüdlich, einer Ameisenstraße gleich, mit ihren kleinen Kübelchen den Sand für ihren neuen Sandfluss transportierten. Unterstützt von ihren Betreuerinnen, die an diesem Tage noch bis 17 Uhr mit den Scheibtruhen, stets gut gelaunt zwischen Laderampe und Sandfluss pendeln sollten. Nach letzten Materialtransporten aus diversen Baustofflagern des Oberlandes und einer Shoppingtour zum Baumarkt Eisl, wo auch Arbeitshandschuhe für unsere HelferInnen besorgt wurden, war der Tag schon so weit fortgeschritten, dass es Zeit war unser Team abzuholen, das um 14 Uhr zum YOUZ kam. An diesem Tag arbeiteten Julia Wenger, Ahmend Krasnigi und Stefan Gusenleitner mit uns. Beim Kindergarten angekommen wurde zuerst das Gelände besichtigt und mit Hilfe des Bauplans erklärt, was wo und wie gebaut werden soll.

Ahmend und Julia, beide bekannt als ausdauernd und kräftig, unterstützten den Sandtransport der Kindergartenbetreuerinnen. Eine keineswegs einfache Aufgabe, weil sich ihr Arbeitsplatz in der sengenden Sonne befand, doch nicht einmal dieser Umstand konnte ihren Tatendrang bremsen. Auch Silvia, die sich unserem Bautrupp anschloss, schuftete als Lastkraftfrau und dokumentierte nebenbei die spektakulären Arbeitsprozesse auf dem Gelände.

Stefan, glücklicherweise schon stolzer Besitzer des rosa Zettels, der ihn zum Lenken eines Personenkraftwagens ermächtigt, wurde ausgeschickt um Planen zu holen, die er dann in gekonnter Weise so montierte, dass ein regensichere Platz zum Lagern und gegebenenfalls zum Arbeiten geschaffen wurde. Anschließend stellte auch er sich als unermüdlicher Sandtransporter zur Verfügung, der nicht einmal die Retourfahrt ohne Last absolvierte, weil stets einige eifrig helfende Kinder auf Stefans Rückholdienst bestanden.

Günsch und ich machten uns indessen daran den Grundriss für unseren Pfahlbau abzustecken und ein Winkelverhältnis herzustellen, welches einem Unbeteiligten später einmal den Schluss ermöglichen sollte, dass es sich dabei wirklich um ein hausähnliches Bauwerk handelt. Das war nach einiger Rechenarbeit erledigt und wir begannen den ersten Pfahl in den Boden zu rammen. Von einer wackeligen Stehleiter, mit einem 1m 20 langen urtümlichen Holzschägel wurden zusammen acht Pfähle mit 2m 50 Länge, ca. 50 cm in den Boden gerammt. Bei dieser Arbeit wurden wir dann zum Glück von Stefan und Julia unterstützt. Diesen kräfteraubenden Hammerschlägen in luftiger Höhe war dann leider unser Schlägel, den "Baufrau" Barbara uns geliehen hatte, und ihren Erzählungen nach seit den Bauernkriegen im Besitz ihrer Familie war, nicht mehr gewachsen. Während Günsch mit aller Wucht den Holzschlägl auf den Pfahl donnern ließ, spaltete sich dessen Kopf und der eine Teil flog knapp an meinem vorbei und schlug regelrecht einen Krater in den Boden, vielleicht war es nicht ganz so dramatisch aber fast! Bis zum Feierabend um 17.30 Uhr konnten wir noch den Unterbau für den Dachstuhl montieren, sodass nun schon zu erkennen war, dass dies ein kleines Häuschen werden soll.





20. April, Tag 2

Heute war der Polier nicht auf der Baustelle, er hatte mir allerdings genaue Anweisungen gegeben was zu machen ist, und noch wichtiger, wie es "richtig" zu machen ist. Ich konnte wieder auf die Hilfe von Stefan zurückgreifen, was nicht nur die Arbeitserleichterung zur Folge hatte, sondern auch dafür sorgte, dass der Schmäh nicht zu kurz kam. Wie schon in der Vorwoche war Barbara mit ihrem Team, Betreuerinnen und Kinder, wieder dabei den Sandfluss zu füllen, was sie an diesem Tag auch noch vollenden sollten. Jetzt befinden sich ca. 1347 Küberl und 578 Scheibtruhen Sand im Sandfluss!!!

Stefan und ich hatten den Auftrag die Unterkonstruktion für den Fußboden zu bauen. Dabei war es wichtig die vorgegebene Maximalhöhe von 40cm nicht zu überschreiten. Wir nahmen Maß, machten Markierungen und versuchten das alles mit der Wasserwaage einzurichten. Dann suchte wir uns passende Latten, die wir entsprechend zuschnitten um sie dann anzunageln. Das ging alles fast problemlos, bis dann eine Gruppe von hinterlistigen ästen, die sich in unserm Bauholz versteckt hielt, begann, sich mit voller Härte gegen die 100er Nägel zu wehren, die wir durch die Latten schlagen wollten. Dieser Widerstand hat uns insgesamt 20 Nägelleben gekostet. Zu guter Letzt haben jedoch die zahlenmäßige überlegenheit der Nägel und unsere geschickten Ausweichmanöver zum Sieg geführt und nun sind die sechs Latten so befestigt, dass am kommenden Mittwoch die Schüler des Gymnasiums beginnen können den Fußboden anzunageln. Gestärkt wurden wir bei unserer Arbeit von Schokoeiern, die uns von den Kindern immer wieder gebracht wurden.





25. April, Tag 3

Heute war ein regelrechter Großkampftag auf unserer Baustelle. Eine dritte Klasse des BRG Bad Ischl war unter der Führung von Prof. Eizinger und Prof. (Herwig) angetreten um unserem Ziel, einen tollen Spielplatz zu bauen, ein großes Stück näher zu bringen. Es waren insgesamt zwanzig Helfer, auch dabei zwei Mädchen, die sich dem Spott ihrer Schulkollegen stellten und jede auf ihre Weise einen wichtigen Beitrag zum Fortschreiten der Bauarbeiten leistete. Sie wurden unter das Kommando von Barbara gestellt und setzten all ihre Kräfte ein, um mit Steinen einen Steg durch den Sandfluss zu bauen, durch Spinnen, Käfer und Würmer immer wieder kurz aufgeschreckt, und das mit einem gellenden Schrei auch allen anderen mitgeteilt. Unaufhaltsam jedoch stellten sie ihr Bauwerk fertig, das dann sogleich von den ersten unerschrockenen Kindergartenkindern getestet wurde.

Die achtzehn Burschen teilten wir in drei Gruppen, eine davon hatte grobe Erdbewegungen zu bewältigen. Ihre Aufgabe war es die Baumstammscheiben für den Pfad am Ufer des Biotops so zu befestigen, dass sie gefahrlos zu überschreiten sind. Die erste Strategie, sie mit dem Vorschlaghammer in den feuchten Boden zu jagen, schlug fehl. Dann beschlossen die Burschen sich Schaufeln zu holen um die widerspenstigen Scheiben zu vergraben. Das hat dann geklappt, und mit einem zehn Zentimeter dicken "Lettenstöckel" an den Schuhen stolzierten sie mit geschwellter Brust nach getaner Arbeit zur nächsten Station.

Eine andere Partie, unter der Leitung ihrer Professoren, baute die Kästen für den Tastpfad. Eine rechnerisch anspruchsvolle Aufgabe, die auch Genauigkeit beim Messen und Zuschneiden der Latten erforderte. Die Jungs haben dabei auf die Zuhilfenahme von "motorisierten" Sägen verzichtet.

Der Rest der Gruppe wurde mit Hämmern und Nageltaschen ausgestattet, so dass sie jederzeit als Heimwerker in einer Vorabendserie auftreten könnten. Einen Fußboden galt es zu verlegen und dann mit Nägeln zu befestigen. Erst wurden passende Latten herbei getragen, und dann begann ein regelrechtes Klangfeuerwerk, bestehend aus einem vierstimmigen Hammerchor, der unermüdlich Stahlstifte versenkte. Beachtenswert ist dabei, dass kein einziger Nagel verschlagen wurde, und der Kindergarten Kaltenbach innerhalb kürzester Zeit in den Besitz eines hochzeitswalzerwürdigen Tanzbodens kam. Diese Gruppe arbeitete so schnell, dass wir kurzerhand noch beschlossen, die Vielzahl an Helfern auszunützen um einige Baumstämme herbei zu tragen, die im benachbarten Waldstück abgeschnitten wurden. Sie sollen dann als Brücken über den Sandfluss eingesetzt werden.





27. April, Tag 4

Schon der vierte Tag auf der Baustelle an dem uns die Sonne lacht, besser hätten wir das ganze nicht erwischen können. Ich war heute mit unserem Polier Günsch auf der Baustelle um wieder Vorbereitungsarbeiten für den Einsatz von freiwilligen Helfern vorzubereiten.

Um unsere morgendliche Frische auszunützen, beschlossen wir die körperlich anspruchsvollste Aufgabe gleich zu erledigen. Unser Plan war es das Fundament für das Baumhaus aus vier „Drahling“ zu errichten, die wir aus dem Waldstück nebenan herbei tragen mussten. Glücklicherweise lag dort ein Kirschbaum der schon zu modern begann, aber für unseren Zweck noch ideal passte. Fünf gezielte Schnitte mit der Motorsäge und schon lagen vier ca. zwei Meter lange Baumstämme mit einer Stärke von 30 cm vor uns. Wir schleppten nun einen nach dem anderen zum Zaun, um sie dort zu schultern und dann hinüber zu werfen. Wir hatten sie dann gleich eingerichtet, mit der Wasserwaage kontrolliert und dann wurden sie schon fixiert, sodass wir dort nächstes Mal mit unseren Helfern weitermachen können.

Weil noch einiges an Zeit übrig blieb, und die fleißigen Kindergartenbetreuerinnen nun auch schon wieder auf der Baustelle schufteten, und ein Aufhören als Fluchtreaktion zu deuten gewesen wäre, begannen wir noch mit dem Dachstuhl für unseren Pfahlbau. Bis jetzt ist schon einiges geschehen und wir werden alles daran setzten, dass es in dieser Art und Weise weitergeht!





4.Mai, Tag 5

Für heute hatten wir einen Kurzeinsatz geplant, der von uns jedoch sehr effektiv gestaltet werden konnte. Mit „uns“ sind Günsch, Christof Koppmann und eben meine Wenigkeit gemeint. Das Wetter war heute erstmals nicht strahlend schön, aber auf die Wolken und den anschließenden Regen hat die Natur schon die längste Zeit gewartet.

Unser Auftrag lautete den Unterbau für das Baumhaus soweit vorzubereiten, dass beim nächsten Arbeitseinsatz, ein paar fleißige Hände, den Fußboden hinnageln können. Mit geschultem Auge, ohne die Zuhilfenahme einer oft lebensrettenden Wasserwaage, wurden die 10 – 10er Latten ausgerichtet. Christof der sich als außerordentlich geschickter Handwerker herausgestellt hat, konnte sie dann problemlos mit „de Kerschndrahling“ verschrauben, sodass wir nach ca. eineinhalb Stunden Arbeitszeit wieder abrücken konnten.





18. Mai, Tag 6

Nach einer schöpferischen Pause von 14 Tagen war es nun an der Zeit sich den Werkzeuggürtel umzuschnallen und in die Hände zu spucken, um wieder etwas Leben auf unsere Baustelle zu bringen. Während unserer Abwesenheit hat sich unsere Grünfläche in einen subtropischen Regenwald verwandelt, der ersehnte Regen hat die Bäume, Sträucher und Gräser dazu veranlasst ums überleben zu wachsen, was uns nun einen bemerkenswert urwüchsigen Anblick bescherte.

Ich hatte heute zwei tapfere Begleiter an meiner Seite, die sich mit mir durch die Mangrovensümpfe des Kaltenbacher Kindergartens kämpften, um den Fußboden unseres Baumhauses zu montieren. Christof hatte es sich nicht nehmen lassen wieder mitzuwirken und mein Bruder Johannes Holzer kann sich nun auch zum Heer der Freiwilligen zählen, das für das Wohl der Kindergartenkinder in die Schlacht gegen widerspenstige äste, tonnenschwere Lasten und den eigenen Schweinehund zieht. Sobald wir uns aufeinander abgestimmt hatten, ging es schon dahin, innerhalb kürzester Zeit wurde aus einem gespenstisch wirkenden Lattenoval ein glänzender Fußboden, der jedoch noch ziemlich hilflos wirkt. Noch kann man sich nicht recht vorstellen was daraus werden soll, aber schon demnächst werden wir wieder dort sein um das Baumhaus fertig zu stellen, und dann wird die Welt Augen machen!!!


Viele weitere Fotos von den Bauarbeiten gibst >>>> hier !!!